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Lac Calzun
Hurraaaaa! Endlich konnten wir die Hütte verlassen, endlich wieder gehen, endlich kein Fieber mehr, nur noch Durchfall, der, wie bereits geschildert, nirgends hätte schlimmer zu ertragen sein können, als auf dieser Hütte. Wir mussten natürlich erst mal aufsteigen. Der Weg ging zunächst an den Zelten vorbei, die sich über der Hütte am Hang platziert hatten, wo auch unseres die letzten Tage stand. Wieder das gleiche Spiel. Jeder, der uns von oben entgegenkam, grüßte den Markus freundlich, manche winkten von ihren Zelten aus. Von oben kam uns dann ein älterer Herr entgegen. Der lachte und winkte den Markus an, blieb kurz bei uns stehen und sagte: „Happy Birthday to you; The guy of the cabana told me yesterday."
So kam es, dass die ganze cabana Podragu, wirklich jeder, der auf der Hütte war, wusste, dass der Markus Geburtstag hatte, nur wir seine Freunde, Mitbewohner und Weggefährten es übersahen. Am Tag zuvor hatten wir noch davon gesprochen.
Er hat uns, glaub 'ich, verziehen, weil er uns bei der nächsten Möglichkeit, die sich anbot, alle zum Essen einlud. Bei diesem Essen, konnte ich auch meine überragenden Rumänisch - Kenntnisse voll ausschöpfen. Wir waren beim Lac Balea angekommen. Hierbei handelt es sich um einen künstlich angelegten Bergsee, in dem eine Insel aufgeschüttet worden war. Auf der Insel steht ein großes Haus, Ceaucescus Jagdresidenz, in der er ca. drei Mal verweilte. Leider war es abgebrannt.
Das Haus liegt am höchsten Punkt einer enorm langen, tunnelreichen und aufwendigen Straße, die über die Berge führt. Ebenfalls ein relativ unsinniges Prestige-Projekt des Diktators, das im Sinn seiner Streckenführung grob verglichen werden könnte mit einer Verbindung Deutschland -Österreich über die Zugspitze. An dieser Straße gab es auch ein recht schönes Restaurant, dessen Gastzimmer mit den großen Fenstern und dem Ausblick ins Tal, den dicken Teppichen und den wirklich imponierenden Geweihen einen guten, fast edlen Eindruck machte. Wir traten ein und waren, ob unseres wirklich ziemlich heruntergerissenen Aussehens, im ersten Moment etwas befangen. Als aber niemand kam und uns hinauswarf, setzten wir uns und warteten.
An einem Tisch saßen die Wirtsleute, die anscheinend gerade Abrechnung machten, uns aber nicht beachteten. Nach geraumer Zeit, zumindest für hungrige Wandersleut, kam dann die Bedienung. Ich sagte auf Rumänisch, ich hätte gerne die Karte. Sie nickte, lachte uns freundlich an und drei Minuten später standen fünf dampfende Becher zuckersüßen Tees vor uns. Wir tranken den Tee und dachten, dass wäre hier so üblich, eine Art Gastgeschenk und warteten. Nichts geschah, meine Laune wurde immer schlechter, überhaupt bin ich eigentlich ein recht freundlicher Zeitgenosse, außer wenn ich Hunger habe und mich darauf eingestellt habe, dass ich bald was bekomme.
Ich stand auf ging zu den beiden, die da rechneten und sagte mit einer, wie mir die anderen später sagten, sehr missmutigen Miene, dass ich die Karte haben wolle. Die beiden lächelten nett, nickten und wirklich, nach fünf Minuten kam die Dame mit einem Tablett mit 11 Bechern Tee darauf. Wir schafften es sie abzulehnen. Ich ging in die Küche, bestellte vier mal Fleisch mit Pommes und zwar auf deutsch, rumänisch und italienisch und blieb so lange, bis ich wusste, dass wir etwas bekommen würden. Und was soll ich sagen es war hervorragend, das Steak. So gut, dass wir uns alle noch eins bestellten -auf Markus seine Kosten.
Zurück zu unserer Ausgangslage. Nach ca. 30 Minuten schweißtreibendem Aufstieg blieben wir noch etwas stehen und blickten noch einmal runter auf die Hütte, die zumindest ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Dieser Tag sollte uns an den Fuß des zweithöchsten Berges in Rumänien fuhren, dem Negoui. Zur Besteigung müssten wir am nächsten Tag durch den sog. Teufelskamin „ strangul dracului" klettern und dann noch ein Stück des Kammes begehen, dass in unserem, meiner Ansicht nach ohnehin nicht zu Übertreibungen neigenden, Führer als äußerst „absturzgefährdetes und nur bei gutem Wetter zu gehendes Stück", bezeichnet wird. Wir brachten unsere Tour an diesem Tag sehr schön zu Ende, das Wetter war gar nicht einmal so schlecht und so kamen wir bereits gegen 15.00 Uhr.
Uhr am Calzun See an, der am Fuße eines Berges liegt, dessen Regen- und Schmelzwasser er auffängt und dessen Wasser auf der anderen Seite, von Quellen unterstützt, ins Tal fließt. Hier lud ein traumhafter Blick zum Liegen, Lesen, Dösen und Schreiben ein.