„Costinesc"
Der Zug fuhr diesmal 12 Stunden und es war wie
eigentlich immer beim Zugfahren im Sommer heiß und schwitzig
und man konnte nicht schlafen.
Was aber ziemlichen Spaß macht, beim Zugfahren in Rumänien
ist, dass man die Türen der Waggons aufmachen kann und dann
draußen auf den Treppen sitzen kann, und die Landschaft buchstäblich
an sich vorbei ziehen lassen kann. Das ist dann auch nicht ganz
so unerträglich, aber leider meistens besetzt.
Am nächsten Morgen hielt der Zug, der bereits einige Zeit immer
mal wieder Kontakt mit der Küste des schwarzen Meeres aufgenommen
hatte, an einem Bahnsteig mit dem Schild „Costinesc".
Bereits jetzt, um 6 Uhr morgens standen hier, selten kann man etwas
eher mit „wie die Geier" beschreiben, die Zimmervermittler
und warteten auf ihre „Kundschaft".
Wir hielten uns an einen sympathisch wirkenden, dicken Mann, der
uns durch die ganze. Stadt schleifte.
Die niedrigen einstöckigen Baracken drückten sich durch
das Gewicht ihrer feuchten Wände und Dächer noch mehr
in den lehmigen Boden des Hinterhofes, in dessen Mitte Grünzeug
wucherte, in dem und um das Zelte standen. Katzen schlichen herum,
Hunde lagen in der noch halbwegs erträglichen Frühmorgenssonne
und dösten vor sich hin.
Das Zimmer hatte ca. 8 m , davon 6 m Bett, den restlichen Raum teilten
sich großzügig Tisch, Stuhl und Fußboden. Das Bett
für uns vier war aus einem Stück und bestand aus ziemlich
hohen und ziemlich weichen Sprungfedern, so dass, wenn sich der
Markus oder ich mich umdrehten, die anderen teils in arge Seenot
gerieten und der Markus den Michi einmal fast erdrückt hätte,
als er sich im Schlaf umdrehte. Das einzig ernsthaft unangenehme
an dem Zimmer war, das man den Schimmelpilz und die Feuchtigkeit
schmecken konnte, die sich in den Wänden verbargen. Der Raum
war schwül wie eine Sauna, zumal draußen 34 Grad herrschten.
„Na ja was solls, wir sind eh nie da und außerdem können
wir eventuell morgen noch mal schauen und dann sehn ma's schon und
billig is’ auch.“ - war die Kausalkette, die uns veranlasste
das Zimmer zu nehmen.
Bernies Magen machte ihm immer mehr zu schaffen, so dass der arme
36 Stunden in Folge das Zimmer nicht verließ, außer
um Bedürfnisse zu verrichten und das war wohl das gemeinste,
was einem an diesem Ort widerfahren konnte. Es gab zwei Räume,
die, glaub ich, für sanitäre
Dinge angelegt worden waren. Bereits vor der Türe begrüßte
einen ein dahinfaulender Fisch, der so stank, dass ihn nicht einmal
mehr die Katzen oder Hunde mochten, von denen es einige gab.
Im vorderen Teil des Raumes gab es einen an der Decke montierten
Wasserhahn und ein Klo, getrennt , durch eine kleine Wand. Der zweite
Raum war kaputt.
Das besondere war, dass das Abwassersystem von Dusche und Klo auf
so raffinierte Weise verbunden waren, dass wenn mehrere Leute geduscht
hatten, die ganze Sch..., na ja das Klo eben überlief und der
ganze Raum überschwemmt wurde - bitte an dieser Stelle keine
Gedanken über den Geruch bei 34 Grad – haha!!
Der Ort selbst war dreckig und irgendwie was wirklich lustiges zum
Weggehen haben wir auch nicht gefunden, weil wir zu wenig rumänisch
sprechen konnten. Die Kneipen waren alle leer, weil sie zu teuer
waren und auf allzu viele Privatpartys wurden wir nicht eingeladen.
Wir beschlossen dann nicht mehr lange zu bleiben, aber zumindest
noch einen Tag im Schwarzen Meer zu baden.
Es gibt in Costinesc einen recht großen Markt. Allerdings
ist die Produktauswahl relativ einseitig. Es gibt nachgemachte Badehosen
und Badelatschen von verschiedenen Labels. Der Michael und der Markus
kauften sich Badehosen ich mir Badelatschen, die hohe Absätze
hatten, was sich später in der Dusche als ziemlicher Vorteil
erwies. So schlenderten wir also perfekt ausgerüstet am Strand
des Schwarzen Meeres entlang, der so voll war, dass wir ungefähr
25 Minuten nach einem Liegeplatz suchen mussten, dann wollten wir
hinein in dieses kühlerfrischende Nass, es hatte 35 Grad Außentemperatur.
Wir gingen heran, der Markus geht hinein, springt raus uns schimpft,
sich schüttelnd, „ Is des koid, is des koid". Was
haben wir gelacht, in der Sonne stehend, über diesen Scherz.
Leider war's aber wirklich so eisig, dass einem die Füße
richtig wehgetan haben. An Schwimmen war nicht zu denken. Lustig
war, dass Michaels Badehose sich im Wasser auflöste.
Also warteten wir, dass die Zeit verging und am Abend des zweiten
Tages verließen wir unser Domizil und begaben uns auf die
Heimreise. Wir wollten nach Bukarest und bereits am Sonntag fahren
und nicht erst am Dienstag. Eigentlich kein Problem, denn die Buslinie
fahrt ja täglich.
Ich rief also in dem Büro in Bukarest an, die fragten in Frankfurt
nach und „no problem -you 're welcome", wurden wir umgebucht.
So fuhren wir 14 Stunden nach Bukarest, langsam wurde uns klar -
Reisen heißt eben auch unterwegs sein. Na ja immerhin fuhr
der Zug so langsam, dass wir die ganze Landschaft gut betrachten
konnten und nach einer Fahrzeit von zwei Stunden, ließ uns
deren geringer Raumgewinn fast verzweifeln. Wir saßen auf
den Treppen des Zuges und bezeichneten wirklich alles als wunderschön,
was draußen vorbeizog. Die Fabriken, die nicht fertigen oder
abgerissenen Häuser und Straßen und auch die zahlreichen
Schiffe, die aufgelaufen im Sand des schwarzen Meeres steckten.
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