Die „Cabana Podragu" - Schloss
der verschissenen Nächte
Stolz steht sie in ihrem Hochtalkessel, der von
Seen in ein Kino verwandelt, die immer gleiche Tragödie von
Wetter und Wind, Sonne und Regen, Hagel und Schnee spielt, manchmal
angereichert mit Einlagen von Schafen, Hunden, Eseln und Menschen.
Aus grauem grob behauenen Stein, mit ihren rot - weißen Fensterläden
erinnert sie an ihre Verwandten in den Alpen, doch bereits die verwegen
bekleideten Gesellen, die auf der Terrasse vor dem Eingang in rußspeienden
Dieselkochern Gemüse und Fleischbrühe machen, lassen von
dem Eindruck wenig mehr übrig.
Vom Essensaal, in dem ein reichhaltiges Menü klarmachte, warum
so viele draußen auf der Terrasse ihr eigenes Süppchen
kochten, konnte man bis ins Tal schauen. Die Speisekarte, Podragu
ist mit ca. 2200 m ü. NN die höchstgelegene bewirtschaftete
Hütte in den Karpaten, bestand aus Maisbrei mit Cabanossi,
Maisbrei mit gebratener Salami und Maisbrei mit angebratener Dosenwurst,
außerdem gab es noch Tee. Natürlich nicht zu vergessen
ein wirklich gutes Omelette. Leider war mir bereits am ersten Abend
auf der Hütte nicht besonders gut, so dass mir schlimmes schwante.
Zu dem Gefühl in absehbarer Zeit krank zu werden, gesellte
sich noch Durchfall. (jetzt wäre ein Heilpraktiker
gut gewesen)
Wenn Durchfall an sich, zu hause mit Cola und Salzstangen auf einer
sauberen schönen Kloschüssel sitzend, schon nicht das
angenehmste ist, so mag sich der werte Leser meine Situation vorstellen.
In der Nacht wird der Stromgenerator ausgestellt. Der Schlafsaal
liegt im ersten Stock, der Weg geht über eine steile, folglich
unbeleuchtete Treppe ins Leere. Vor der Tür heulen und jaulen
die Hirtenhunde und liefern sich manchmal einen Kampf mit irgendeinem
Vieh, das seinen Schreien nach zu urteilen nicht überlebt haben
kann. Es ist kalt. Durch diese Kulisse stolperte ich unsicher, in
der ersten Nacht noch nicht einmal mit einer Taschenlampe bewaffnet,
gen Toilette. Wenn man das, was hier für die Notdurft vorgesehen
war, wirklich so nennen will. Diesen kalten weiten Weg musste ich
sicher 40 mal zurücklegen, bevor ich meine Dünnschiss
-Hütte 3 Tage später wieder verlassen konnte. Froh, Mutter
Naturs weiten Fluren überlassen zu sein.
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